Portraitretusche mit Wacom

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Portraitretusche - die schnelle Variante

Fotograf Michael Marczok hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und eine sehr hilfreiche Anleitung zum Nachmachen verfasst. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Zur Königsklasse der digitalen Fotoretusche gehört neben dem Composing, also dem konstruieren ganz neuer Bilder aus vielen einzelnen, die Beautyretusche. Bei dieser Art der Bildbearbeitung finden, wenn richtig gemacht, viele sehr spezielle Features von Adobe Photoshop Anwendung, wie Frequenztrennung, Einsatz komplexer Filter, Einstellungsebenen, Masken, Smart Filter, um nur einige zu nennen. Die High End Beautyretusche kommt besonders bei der Kosmetikfotografie und dann bevorzugt bei großen Kampagnen zum Einsatz. Eine solche Bearbeitung erfordert neben der genauen Kenntnis der Arbeitsschritte viel Zeit. Und diese Zeit, und daraus folgend das Budget, hat nicht jeder Fotograf.

Aus diesem Grund möchte ich hier die, wie ich es nenne, die kleine Schwester der Beautyretusche, die Portraitretusche in einer Schritt für Schritt Anleitung vorstellen. Natürlich könnte ich auch ein Portrait genau so aufwendig bearbeiten wie eine Beauty-Schuss. Aber in der herkömmlichen Portraitfotografie oder besonders auch bei nichtprofessionellen Fotoenthusiasten gibt es nicht die ganz großen Budgets globaler Aufträge bzw. ist eine final für den hochwertigsten Druck bearbeitete Bilddatei nicht nötig. Dies bedenkend werde ich mein Portrait in einer schnellen Variante bearbeiten, wie schon aus der Überschrift zu erkennen ist.

Den gesamten Arbeitsablauf habe ich mir in den Jahren meiner Arbeit als Fotograf weitestgehend selbst beigebracht. Vieles habe ich aus der fantastischen Photoshop Zeitschrift DOCMA, einiges habe ich von Kollegen übernommen und wieder anderes konnte ich mir selbst durch Ausprobieren beibringen. Herausgekommen ist ein Workflow, der nur einen Bruchteil der Zeit einer vollständigen Beautyretusche benötigt, dabei aber eine für den Zweck mehr als ausreichende Qualität liefert. Das Beispielbild für diese Anleitung habe ich übrigens schon in der Größe DIN A0 auf einem Fine Art Printer von Canon auf hochwertigem Papier ausgedruckt. Von der Bearbeitung ist darauf nichts zu erkennen, nur im Vergleich mit dem ursprünglichen Bild fällt der Unterschied auf.

Die Hardware

Eine Bildbearbeitung ohne Hardware ist eigentlich nicht möglich. Zumindest wird eine Kamera, oder Oldschool ein Scanner, benötigt. Richtig spannend wird es allerdings wenn auch für den Retusche Prozess spezielle Hardware genutzt wird.

Unser Beispielbild ist tatsächlich schon ein wenig älter und wurde mit der klassischen Canon EOS 5D aufgenommen, hat also eine Auflösung von 12 MP. Das ist mittlerweile nicht mehr so viel, reicht aber für die Aufgabe, ein Portrait für eine private Kundin, vollkommen aus. Ich erinnere noch einmal daran, dass die finale Datei druckfähig mindestens bis DIN A0 ist.

Die Hardware für die Retusche stammt, natürlich, von Wacom. Dieser Hersteller aus Japan ist aus der Fotobranche, und vielen anderen kreativen Bereichen auch, nicht mehr wegzudenken. So gut wie jeder professionelle Fotograf hat ein Produkt von Wacom in seinem Studio. Der Klassiker ist das Grafik Tablet mit dem Namen Intuos Pro. Dieses Eingabegerät besteht aus dem eigentlichen Tablet, drei verschiedene Größen werden angeboten, mit Stift- und Toucheingabe, frei belegbaren Tasten, den Express Keys und einem Touch Ring, dessen Funktionen ebenfalls frei belegbar sind und der so ähnlich wie ein kleines rundes Touchpad arbeitet.
Weiter gibt es im Wacom Portfolio noch Grafik Displays, also zusätzlich zu den Grafik Tablet Eigenschaften mit einem Monitor, auf dem mit Hand und Stift gearbeitet wird. Die Displays heißen Cintiq, für die Einsteiger, und Cintiq Pro, für den anspruchsvolleren User, und sind in Größen von 13 Zoll bis 32 Zoll erhältlich.
Die letzte Ausbaustufe, um es einmal so zu nennen, sind dann die Mobile Studio Pros. Hier hat man einen kompletten, mobilen Windows 10 Rechner mit allen Features der anderen Wacom Geräte, also, wie der Name schon sagt, ein mobiles Studio für den Profi.

Arbeitsplatz_2

Für unsere Beispielbearbeitung fahre ich fast mein komplettes Wacom Equipment auf. Ich arbeite mit einem aktuellen Mobile Studio Pro mit einem 16 Zoll Display, an welches ich noch ein Cintiq Pro mit 13 Zoll und ein Intuos Pro Grafik Tablet anschließe. Das ist sicher ein wenig Overkill, macht aber richtig Spaß. Wenn ich mit den Wacom Geräten arbeite brauche ich keine Maus, ich habe ja den Stift und wenn ich damit vielleicht mal nicht klarkomme, dann nehme ich den Finger und tippe auf irgendeinem der drei Eingabegeräte herum.

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Bei der Arbeit mit Photoshop wechsele ich ständig die Art und Weise, wie ich Eingabe mache oder bestätige, Werkzeuge oder Funktionen auswähle. Also greife ich entweder auf die Menüs oder Paletten mit der Maus zu oder nutze Tastaturkürzel. Ich könnte letztere auch mit einer Onscreen Tastatur eingeben, würde damit aber Teile der Arbeitsoberfläche verdecken. Deshalb habe ich mir noch eine Wacom Bluetooth Tastatur gegönnt. Die ist klein, handlich, kabellos und passt auch optisch gut zum Rest.

Die Software

Keine Frage, für die Retusche und den finalen Look nutze ich Adobe Photoshop.

Da ich als Profi aber gern im RAW Format fotografiere, muss ich dieses auch noch irgendwie in ein für die Retusche passendes Dateiformat, nämlich das Photoshopformat, wandeln.

Das Camera RAW Plug-In von Adobe hat mir für diesen Zweck zu wenig Möglichkeiten und wandelt ehrlich gesagt meine RAWs in einer nicht so guten Qualität um. Aus diesem Grund nutze ich für das gesamte Bilddateimanagement, die Bildoptimierung und die Wandlung Capture One Pro von Phaseone. Dieses Programm erlaubt es mir auch große Bildmengen schnell, flexibel, professionell und qualitativ hochwertig für die weitere Bearbeitung vorzubereiten. Wenn keine speziellen Retuschen nötig sind, ist die Optimierung in Capture One Pro oft mehr als ausreichend.

In Einzelfällen kommt bei mir auch die von Canon mitgelieferte Software Digital Photo Professional (DPP) zum Einsatz. Hier sind besonders die beste Objektivkorrektur und RAW Wandlung hervorzuheben.

 

Die schnelle Variante

Auf die Optimierung des Bildes in Capture One Pro möchte ich hier nur ganz kurz eingehen. In dem RAW Fototool habe ich nur ganz wenig vorgenommen. Lediglich eine Objektivkorrektur des Canon 24 - 105 mm Zooms, die Anpassung des Weißabgleichs an die Farbtemperatur der Studioblitzanlage und ein wenig RAW Schärfung ist alles. Im Verarbeitungsbereich von Capture One Pro wählte ich dann das .psd-Format für die Ausgabe.

Screen-COP

Von hier aus geht es nun endlich zur eigentlichen Retusche.

Mein erster Schritt ist immer eine Kopie der Hintergrundebene, in der das Bild beim Öffnen ankommt. Dies tue ich aus zwei Gründen. Einmal kann ich immer wieder zum Ursprungsbild zurückkehren, wenn ich irgendetwas verbocke und das Protokoll nicht weit genug zurückreicht, zum anderen kann ich meine Bearbeitungsschritte jederzeit mit dem Original vergleichen. Dazu gleich ein kleiner Tipp: klickt man mit gedrückter alt-Taste (Windows und Mac) auf das Sichtbarkeitsauge links in einer Ebene, werden alle anderen Ebenen ausgeblendet.
Ich kopiere also die Hintergrundebene indem ich mit der oberen Stifttaste meines Wacomstiftes daraufklicke. Ich habe mir auf diese Taste den Rechts- bzw. Control-Klick gelegt um damit schnell in Kontextmenüs und alles, was mit der rechten Maustaste erreichbar ist zu kommen.

Screen-01

Ab hier macht es Sinn die Ebenen, und es werden noch ein paar mehr davon hinzukommen, gut zu beschriften um sich später besser zurechtzufinden. Da ich in der Ebene, in der ich mich nun befinde, die grundsätzliche Hautretusche ausführe, nenne ich sie auch so.

Ich habe dieses Bild gewählt, um zu zeigen, wie viel man mit einfachen Mitteln in Photoshop erreichen kann. Natürlich weiß die junge Frau, dass ich ihr Bild für solche Zwecke nutze. Also, für den ersten Schritt der Retusche der Hautunreinheiten und Flecken nehme ich ganz einfach den Bereichsreparatur-Pinsel. Das ist so etwas wie ein automatischer Kopierstempel. Damit muss ich nur die zu bearbeitenden Bereich markieren, den Rest machen die Photoshop Algorithmen. Wie alle Werkzeuge ist auch dieses mit Bedacht zu nutzen. Es arbeitet am besten bei relativ klar abgegrenzten Strukturen auf einer einheitlichen Fläche, in diesem Fall die dunkleren Hautunreinheiten und Flecken im Gesicht. Schwierig wird es mit dem Bereichsreparatur-Pinsel, wenn ein Fleck nicht auf einer Fläche, sondern zum Beispiel an einer Kante vor dem Hintergrund liegt. Hier versagt der Pinsel bisweilen, aber versuchen sollte man es schon. Einen Schritt zurück kann man entweder über das Protokoll oder die Tastenkombination command-Z (Mac) oder strg-Z (Windows). Sicher könnte ich diesen Bearbeitungsschritt auch mit einer Maus ausführen. Mit dem Stift, entweder auf dem Grafik Tablet oder direkt auf dem Display, bin ich deutlich schneller. Natürlich habe ich lange genug dafür geübt, aber auch ein Einsteiger wird bald merken, dass jeder Schritt mit der intuitiven und ergonomischen Handhabung des Stiftes im wahrsten Sinne leicht von der Hand geht. Ich selbst habe einmal den Zeitunterschied bei solch einer Bearbeitung gemessen und bin auf eine Zeitersparnis von 15% - 20% gekommen.

wacom-retusche-1

Bild7

An den Stellen, an denen ich mit dem Bereichsreparatur-Pinsel nicht weiterkomme, in unserem Bild sind das Stellen um die Nase, am Rand des Kinns und auf den Augenlidern, wechsele ich zum klassischen Kopierstempel. Hier kommt der Stift zum ersten Mal so richtig zum Einsatz. Die Handhabung des Stempels sollte jedem, der einmal mit Photoshop gearbeitet hat, bekannt sein. Ich wähle also mit gedrückter alt-Taste, die ich mir auf einen der Express Keys meines Intuos Pro Grafik Tablets gelegt habe, eine Kopierquelle und „male“ dann regelrecht mit dem Stift über den Bereich, den ich retuschieren möchte. Mit der Maus wäre dieser Prozess eher ein einzelnes Klicken. Mit dem Stift habe ich mir sehr schnell angewöhnt malartige Bewegungen zu nutzen. Dafür ist es allerdings besonders wichtig, die richtige Kopierquelle, zu wählen. Diese muss nicht einmal sehr nah am Bild sein. Außerdem hilft es, wenn ich die Quelle oft wechsele, also mal von der linken Seite des zu retuschierenden Bereiches, mal von oben etc. Meine linke Hand liegt dazu immer auf dem Express Key, den ich mit der alt-Taste belegt habe. Auf diese Weise erziele ich nicht nur ein Ergebnis ohne Retuschespuren, ich bin auch extrem schnell.

Natürlich könnte ich mich lange mit dieser Retusche aufhalten. Ich möchte aber als Endergebnis ein natürliches Aussehen erhalten, kein TV Spielfilm Cover. Außerdem werden durch die späteren Arbeitsschritte noch einige Unregelmäßigkeiten entfernt.

Der nächste Schritt ist eine Aufhellung der Bereiche unter den Augen. Von Augenringen kann man bei so einer jungen Person eigentlich nicht sprechen, trotzdem wird das Bild angenehmer wirken, wenn auch diese Bereiche des Gesichtes gleichmäßiger sind. Ich bleibe beim Kopierstempel, wähle jetzt aber den Modus Aufhellen, den ich oben im Bedienfeldmenü finde. In diesem Modus wird von der Quelle zum Ziel nur kopiert, wenn der Quellbereich heller ist als der Zielbereich. So stelle ich sicher, dass ich nicht auch noch dunklere Partien kopiere. Ich stelle die Deckkraft des Pinsels auf etwa 5%, also sehr gering, und regele die Größe auf einen etwas größeren Durchmesser als die dunklen Bereiche unter den Augen. Nun nehme ich als Quelle einen recht hellen Hautbereich, der nicht unbedingt in der Nähe der Augen liegen muss, Hauptsache ich übernehme eine Hautstruktur, um eine natürliche Wirkung zu erzielen. Durch die geringe Deckkraft und wiederholten Einsatz des Werkzeuges mit ständigem Wechsel der Quelle, erzeuge ich ein harmonisches, unsichtbares Retuschierergebnis.

wacom-retusche-3_2

Das war es schon mit der Grundretusche der Unreinheiten und Flecken. Weiter geht es mit Ebenmäßigkeit der Haut.

Screen-06

Naben den kleineren Flecken hat jedes Gesicht so seine heiklen Stellen, wie glänzende Bereiche oder auch leichte Farb- und Helligkeitsunterschiede. Um diese zu egalisieren nutze ich die Bordmittel von Photoshop, um den Aufwand weiter gering zu halten. Ich werde einen Filter einsetzen, der ideal für diesen Zweck ist. Er heißt „Matter machen…“ und findet sich bei den Weichzeichnungsfiltern. Zunächst lege ich für diesen Schritt aber eine neue Ebene an, ich kopiere die Ebene Hautretusche und nenne sie „Matte Haut“. Auf diese wende ich dann den Filter an. Es öffnet sich ein neues Fenster mit einer Vorschau und zwei Schiebereglern. Mit ihnen steuere ich die Wirkung des Filters. Beim Öffnen wird der erste Eindruck der Vorschau sicher scheußlich sein, was aber nichts heißen muss, wie wir gleich noch sehen werden. Für meine Bilder hat sie Radiuseinstellung von 50 Pixeln bei einem Schwellenwert von um die 20 Stufen als gut erwiesen. Je nach Dateigröße und Motiv kann das aber variieren. Das Ergebnis sollte aber so aussehen wir im Beispiel.

Der Filter wirkt natürlich über das gesamte Bild. Man kann allerdings schon erkennen, wie er arbeitet: Aus Flächen wird die Struktur entfernt, Kanten bleiben weitgehend erhalten. Diese Tatsache hilft mir bei der weiteren Arbeit. Ich möchte ja nur die Haut bearbeitet wissen, lege deshalb also eine Maske in der Ebene an. Dazu wähle ich mit gedrückter alt-Taste auf das entsprechende Symbol im Ebenen Bedienfeld.

Screen-07

Bild1

So erzeuge ich eine schwarz gefüllte Maske. Masken erzeugen in Photoshop so etwas wie eine Durchsichtigkeit für eine Ebene. Alles was schwarz in der Maske ist, ist nicht sichtbar, man schaut quasi durch diesen Bereich der Maske auf die darunter liegende Ebene. Umgekehrt ist alles was weiß in der Maske ist, als Ebenenbereich sichtbar über der darunter liegenden Ebene. Da die von mir angelegte Maske vollständig schwarz ist, ist die matt gefilterte Ebene im Augenblick unsichtbar. Es wird klar, was jetzt gleich passiert: ich fülle die Bereiche der Maske mit weißer Farbe, die in der Ebene sichtbar sein sollen, also alle Hautpartien. Hierfür nutze ich den Pinsel. Dieser malt immer mit der Vordergrundfarbe. Vorder- und Hintergrundfarbe stelle ich auf reines Schwarz - Weiß indem ich das kleine Symbol links unter den Farben in der Werkzeugleiste klicke. Diese beiden Farben brauche ich für die Arbeit mit der Maske. 

Bild2

Ich fange also mit Weiß an. Den Pinsel stelle auf eine Härte von 0% und eine passende Größe, je nach Bereich den ich bearbeite. Dies ist die ganz große Stärke bei der Arbeit mit meinem Wacom Stift, egal ob auf dem Grafik Tablet oder auf dem Bildschirm. Denn jetzt kommt es wirklich auf harmonische Bewegungen des Cursors an und diese bekomme ich mit dem Stift viel besser hin als mit der Maus. Ich zeichne also alle Flächen der Haut nach. Dabei lasse ich alles aus, was Struktur hat, also die Lippen, die Augen, die Ohren, die Haare und den Pullover. Auch den Hintergrund brauche ich nicht bearbeiten, Weiß bleibt immer Weiß. Wie oben beschrieben lässt der Filter die harten Kanten unangetastet. Es macht also nicht wirklich etwas aus, wenn ich mit dem Pinsel und der weißen Farbe über eine Kante male. Da ich später aber noch andere Bearbeitungsschritte nur mit der Haut vorhabe und diese nicht so glimpflich mit den Kanten umgehen, gebe ich mir also etwas mehr Mühe und erstelle eine recht genaue Haut-Maske.

Jetzt wird das Vorgehen so richtig klar. Die Hautpartien sind glattgebügelt. Durch die Einstellungen der Parameter im Matter machen Filter sieht nun aber alles sehr flach aus. Darum kümmere ich mich in zwei Schritten. Erst einmal regele ich die Deckkraft der „Matte Haut“ Ebene herunter. Normalerweise sind dabei Werte um die 50% sinnvoll, ja nach Geschmack kann es mehr oder weniger sein. Auf jeden Fall sieht das Ganze direkt natürlicher aus.

Screen-10

Bild3

Im zweiten Schritt werde ich die verloren gegangene Tiefe, also die Lichter und Schatten, zurückholen. Dazu wende ich eine Technik an, die unter dem Namen Dodge and Burn bekannt ist. Man könnte die beiden Begriffe mit Abhalten (Dodge) und Nachbelichten (Burn) übersetzen. Sie kommen aus der analogen Fotografie und sind Dunkelkammertechniken mit denen bei der Vergrößerung von Negativen Bildpartien selektiv heller oder dunkler belichtet werden konnten. Nichts anderes machen auch die beiden Werkzeuge von Photoshop, die ich hier anwende. Natürlich ist das Ganze digital viel einfacher und flexibler.

Also, ich fange mit einer neuen Ebene an über allen bisherigen Ebenen an. Photoshop bietet mir drei Möglichkeiten dafür an. 1. ich wähle im Ebenenmenü den Befehl für eine neue Ebene aus. 2. ich wähle in den Einstellungen es Ebenen-Bedienfeldes den entsprechenden Befehl aus. 3. ich nutze das Tastaturkürzel Umschalt + strg + N (Windows) bzw. Umschalt + command + N (Mac).

Bild4

Egal wie, ich erhalte ein Fenster für Einstellungen zur neuen Ebene. Einen Namen vergebe ich hier auch gleich, ich nenne die Ebene „Dodge + Burn“. Den Modus, also den Verrechnungsmodus mit den darunter liegenden Ebenen, setze ich auf „Weiches Licht“ und, ganz wichtig, ich klicke die Checkbox für die Füllung der Ebene mit einem neutralen 50%igen Grau an. Ich bestätige meine Eingaben mit OK.

Screen-13

Bild5

Jetzt sieht man erst einmal gar nichts von der neuen Ebene. Das liegt an der grauen Füllung in Kombination mit dem Verrechnungsmodus. Alles was neutral Grau in ihr ist, ist nicht zu sehen, also so ähnlich wie bei einer Maske. Der Unterschied liegt aber darin, dass alles, was heller als das Grau ist, auch hell dargestellt wird, alles was dunkler ist dementsprechend. Und weiches Licht kann man sich in etwa so vorstellen, als ob alles was dunkler oder heller auf der grauen Ebene ist, mit einer weichen Lichtquelle auf die Ebenen darunter projiziert wird. Was kompliziert klingt ist in der Praxis ganz einfach. Indem ich Teile der grauen Ebene aufhelle, zeichne ich Lichter in mein Portrait und umgekehrt Schatten, wenn ich sie abdunkle. Für die Aufhellung bzw. Abdunkelung verwende ich das Abwedler-Werkzeug (heller) und das Nachbelichter-Werkzeug (dunkler). Die Deckkraft der beiden Werkzeuge regle ich bis auf 5% herunter damit ich ganz fein, Schicht für Schicht zeichnen kann. Wichtig ist, dass der Bereich „Mitteltöne“ ausgewählt ist, denn in der grauen Ebene gibt es nur mittlere Töne (Grau).

Nun ist Kreativität gefragt. Ich beginne mit den Schatten und verstärke die noch leicht vorhandenen dunkleren Partien im Gesicht und besonders bei den Schlüsselbeinen. Genauso verfahre ich dann auch mit den Lichtern. Auch hier kommt mir die Handhabung des Stiftes sehr entgegen, da ich Schatten und Lichter wirklich in das Bild male. Mit der Maus ist das bisweilen gar nicht möglich. Bei dieser Dodge and Burn Arbeit übertreibe ich absichtlich ein wenig. Denn genau wie bei der matten Haut kann ich die Intensität prima über die Ebenendeckkraft steuern.

Mit der Dodge and Burn Technik könnte ich an dieser Stelle nicht nur die Schatten und Lichter wieder zurückholen, ich könnte sie auch verstärken oder verändern. Zum Beispiel kann eine nicht ganz gerade Nase einfach gerichtet werden indem die Schatten links oder rechts und vor allen Dingen das Licht auf dem Nasenrücken gerade gezeichnet werden. Ein anderes schönes Beispiel ist das berühmte Sixpack. Einfach die Lichter und Schatten stärker betonen und schon sieht Brad Pitt wie ein kleiner Junge daneben aus.

Screen-16

Bild6

Das war es eigentlich auch schon. Jetzt müssen nur die Ebenendeckkräfte der einzelnen Bearbeitungsschritte aufeinander abgestimmt werden, und zwar so, dass jemand, der das Original nicht kennt, nicht auf die Idee kommen würde, dass hier eine Bearbeitung stattgefunden hat. Das ist hauptsächlich eine Geschmacksfrage.

Natürlich könnte ich jetzt noch weitere Schritte folgen lassen. So ist durch den „Matter machen...“ Filter teilweise die Porenstruktur der Haut verschwunden, je nach Deckkraft dieser Ebene mehr oder weniger. Ich regele die Deckkraft aber lieber so herunter, dass noch Struktur durchkommt.

Wenn ich auf die Schnelle noch einen Look erzeugen möchte, lege ich ganz einfach eine Einstellungsebene „Farbfläche…“ an, stelle den Verrechnungsmodus wieder auf weiches Licht und probiere aus, welcher Farbton das Bild verbessert. Im Beispielbild könnte das ein Blau sein, ruhig erst einmal ein kräftiges. Wieder nutze ich die Ebenendeckkraft um die Stärke des Effekts zu steuern.

Abschließendes

Da ich in meinem RAW Fototool die Schärfung, die Farbe und die Tonwerte schon eingestellt hatte, brauche ich jetzt in Photoshop nichts mehr tun. Sollte mir aber der Kontrast oder die Tonwerte nach der Bearbeitung nicht mehr gefallen, lege ich einfach eine Einstellungsebene „Gradationskurven…“ an, senke die Tiefen ab und hebe die Lichter an, fertig.

Was sich in geschriebene Form zeitaufwendig liest ist in der Praxis recht schnell erledigt. Die oben beschriebenen Schritte bei diesem Bild beschäftigen mich ca. 15 - 20 Minuten. Und das Ergebnis ist für den Zweck mehr als ausreichend.

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